Lebensfreude und Spaß - anstatt Ängste & Frust

Hilfe für Jugendliche und Kinder

Weshalb so kritisch gegenüber unserem Schulsystem?

35 Jahre lang hatte ich immer wieder direkt und auch indirekt mit dem Schulsystem, besser gesagt, mit dessen Ausbildungsergebnissen, zu tun. Dementsprechend sind meine positiven und negativen Eindrücke auf diesem Gebiet.

Nachfolgend ein kurzer Überblick:

  • Aufgrund der speziellen Anforderungen in der IT-Branche war ich mehrere Jahre parallel zur täglichen Arbeit als Gastdozent tätig -> Erfahrungen aus der Sicht eines Lehrbeauftragten.
  • Praktikanten, Fachinformatiker (Abiturienten), Studenten, Bachelor und Hochschulabgänger waren ständig in meinem Mitarbeiterkreis. -> Ausbildungsstand und dessen Qualitätsstandard unserer Bildungseinrichtungen wurden immer aktuell vorgeführt.
  • Schriftliches, wie Praktikums-, Fach- und Bachelorberichte ergänzten die Eindrücke.
  • Diverse Diplomarbeiten wurden von mir initiiert und vergeben - mit fachlicher und sprachlicher Begleitung der Diplomanten durch meine Mitarbeiter bzw. durch mich.
  • Mitglied in verschiedenen Prüfungskommissionen und Auswahlgremien für Bewerber.
  • Privat begleitete ich meinen Sohn in seiner gesamten Schullaufbahn hin bis zum Abitur.
    Oft brachte mein Sohn Freunde mit, denen ich kostenlos Nachhilfe in Physik und Mathe gab -> permanenter Einblick in den aktuellen Lehrstoff und Lehrerqualität.

Der Umgang mit der folgenden Seminararbeit ist ein Paradebeispiel für das Thema "Frust und Angst", verbunden mit dem anmaßenden Selbstverständnis eines Teils der Lehrerschaft.

"Was sagen uns die Sterne? Auf der Suche nach Berührungspunkten von Astronomie und Astrologie."

Z. B. zeigte eine Studienrätin in der Begleitung und Bewertung der Seminararbeit eklatante Schwächen in Physik, widersprach stellenweise dem Duden und versuchte den wissenschaftlichen Aufbau der Arbeit auf den Kopf zu stellen. Anstatt ihre fehlende Kompetenz bezüglich dieses schwierigen Themas einzugestehen, verlor sie sich in Erbsenzählerei und eigenen Widersprüchen. Um ihr Unvermögen zu kaschieren und ihre Macht zu zeigen, gab sie noch eine relativ schlechte Note.
Eine Bekannte von uns, sie hat Kommunikationswissenschaft studiert und arbeitet bei der Stadt München, zu der Arbeit: "Das ist ein glatte Eins".

Für die Vorbereitung der Seminararbeit hielt die Lehrkraft fast keinen festgelegten Termin mit meinem Sohn ein. Eine Studienrätin kann sich das erlauben - Vorbildfunktion?. Am Tag der Abi-Abschlussfeier um 17:00 legte sie um 16:30 einen Termin für meinen Sohn fest. Mein Sohn sollte eine kurze Rede bei der Feier halten. Dementsprechend musste er sich noch kurz darauf vorbereiten. Neben vielen Elternpaaren, waren auch wir zur Feier geladen. Im Vorfeld entschuldigte ich meinen Sohn bei der Lehrkraft, dass er aus besagten Gründen den Termin nicht einhalten kann. Sie heuchelte mir gegenüber vollstes Verständnis und entschuldigte sich sogar für die unglückliche Terminfestlegung. Sie lobte mir gegenüber seinen Einsatz in Mathe und bei der Vorbereitung der Seminararbeit. In der Bewertung der Seminararbeit stand aber, dass er Termine nicht eingehalten hatte. Ich hatte den Eindruck, dass sie stellenweise selber nicht wusste, was sie von sich gab bzw. gegeben hatte.

Und jetzt kommt der dickste Hund:
Bei der Vergabe des Themas sagte die Lehrkraft "mehr als 20 Seiten lese ich nicht." Deshalb speckte mein Sohn die Arbeit ständig ab und stellte zusätzlich die erklärenden Bilder an das Ende, damit der reine Text nur knapp 30 Seiten betrug, um ja der Lehrkraft gerecht zu werden. In ihrer Bewertung der Arbeit stand dann, "An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir Ausführlicheres gewünscht".

Angesprochen auf ihre offensichtlichen Fehlleistungen kam die sinngemäße Antwort: "Es mag schon sein, dass ich mich an einigen Stellen geirrt habe. Sie kennen die Physik besser als ich, aber die Note bleibt".

Dieses Verhalten ist typisch für Mitmenschen, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind und deshalb ihre Schwächen durch Machtdemonstration, aufgrund ihrer Stellung, kaschieren. In dem Moment, wo sie mit Personen zu tun haben, die auf gleicher Augenhöhe oder darüber stehen, reagieren sie völlig anders, oft sogar unterwürfig. Ein weiteres Indiz für mangelnde Kompetenz ist, wenn sich Leute an Kleinigkeiten festbeißen, damit nicht auffällt, dass sie von dem Thema wenig Ahnung haben, ihnen der Überblick für das Ganze fehlt und damit überfordert sind.
Übrigens für die Bewertung der Seminararbeit ließ sie sich fast 6 Monate Zeit. Das sollte mal ein Schüler bringen. - Oder in einer Arbeitsstelle außerhalb der  Kultusministerium-Sphäre, wie Industrie, Fertigung, Gastgewerbe, Lebensmittelversorger, Transportwesen, Polizei, Banken usw.

Aussage des zuständigen Schuldirektors: "Eine Note ist nicht verhandelbar".
Anmerkung Wolfgang Oberbauer: Die Physik lässt sich in den Augen einiger Lehrer sehr wohl verbiegen bzw. "verhandeln", wenn es darum geht, eigene Fehler nicht eingestehen zu müssen. Dann werden eben die Naturgesetze der Note angepasst.

Was in dem Abiturienten damit ausgelöst wurde und wie das mit dem Lehrauftrag, (besser Leerauftrag gesagt, bezogen auf das, was der junge Mensch fürs Leben bräuchte) vereinbar ist, sei hier unkommentiert. Auf jeden Fall wurde permanent Frust erzeugt.

Hier steht die Seminararbeit als PDF-File zur Verfügung: Seminararbeit

Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und Erkennen zu erwecken.
(Albert Einstein)

Teilweise ist nicht wirklich nachzuvollziehen, was mit den Merksätzen, Regeln, Erklärungen und Mathematikbeispielen in den Schulheften und auch Schulbüchern ausgesagt werden soll -> Die Folgen davon sind, die Jugendlichen verstehen oft nur Bahnhof und sind noch mehr verwirrt. Damit die Schüler eine halbwegs gute Note bekommen, lernen sie alles Mögliche einfach auswendig, ohne den Sinn und damit das Thema wirklich zu verstehen. Bei einigen Mitarbeitern des Kultusministeriums ist es vermutlich immer noch nicht angekommen, dass es weder Sinn hat und noch weniger Spaß macht etwas mit Gewalt in sich hinein trichtern zu müssen, ohne es zu begreifen - und man wundert sich dann, weshalb noch mehr Frust gegenüber den Lehrern und der Schule entsteht.

Eine junge Studentin: „Physik war für mich das langweiligste Fach. Ich habe fast alles auswendig gelernt und mich damit bis zur 11. Klasse durchgemogelt. Verstanden habe ich dieses trockene Fach bis dahin nie und deshalb hat mich dieses auch nicht interessiert. In der 12. Klasse hatte ich einen Lehrer, der konnte mit Begeisterung anschaulich die Physik rüberbringen und plötzlich hatte ich Freude an dem Fach. Naturwissenschaft ist so interessant und ist absolut kein trockenes Fach. Heute studiere ich Physik im 4. Semester."

Allein die Formulierung in einigen Schulbüchern zeigt schon, dass negative Querdenker mitwirken oder der Schreiber seinen eigenen Stoff nicht wirklich versteht. Wenn man über etwas referiert oder schreibt, dann sollte man einige Stufen darüber stehen, um das Thema auch anständig rüber zu bringen.- Ist Abstand zu gering, dann geht das immer auf die Kosten der Schüler.

Aussage eines Lehrers: "Dieses Physik-Buch kann ich für den Unterricht nicht gebrauchen. Wenn ich nicht wüsste, wie an dieser Stelle die Physik funktioniert, würde ich oft nicht verstehen, was der Schreiber damit aussagen will".
- Um Missverständnissen vorzubeugen, es handelt sich um ein offizielles Physikbuch für die 9. Klasse Realschule. Das Problem ist dabei, dass nur Pseudofachleute - anders ausgedrückt "einseitig ausgerichtete Schreibtischtäter", entscheiden was und wie und in welcher Qualität etwas vermittelt werden soll. Deshalb lesen sich auch manche Erklärungen in den Büchern, wie Gesetzestexte. - Und der arme Lehrer, der plötzlich Mathe, Physik oder Informatik geben soll oder muss, ist angehalten, den Unfug auch noch zu vermitteln, den er teilweise selber nicht versteht bzw. aufgrund seiner Vorlagen nicht verstehen kann.

Ein weiteres Problem ist, dass selten den Jugendlichen - egal in welchem Fach - zuerst ein Überblick vermittelt wird. Es wird fast immer mit dem Detail begonnen und der Schüler weiß nicht, wo und für was das Gelernte passen soll. Das "nicht gelernt zu haben, zuerst im Überblick zu denken" führen uns täglich unsere Politiker vor. Sie verstehen die meisten Zusammenhänge nicht und wundern sich, wenn sie an einer Schraube gedreht haben, welche Auswirkungen das plötzlich hat.
Wir schimpfen oft auf unsere Politiker. Sie haben es aber nie gelernt im Ganzen zu denken. Es wurde ihnen nie beigebracht. - Und plötzlich sollen sie es können.

Einem Wüstenbewohner, der noch nie ein Auto gesehen hat, wird man zuerst erklären, dass das ein Fortbewegungsmittel ist und damit etwas transportiert werden kann. Nach der Denkart vieler unserer Bildungsbeauftragten in unserem Lande würde man zuerst bei der Benzinpumpe anfangen.

Besonders problematisch wird es, wenn die Jugendlichen keinen Ansprechpartner haben, den sie fragen können. Lehrer in der nächsten Stunde zu fragen, ist oft nicht möglich, da der nächste Stoff durchgepaukt werden muss. Es zählt nicht die Qualität, sondern nur die Quantität ..... und der Schüler, als Mensch, kommt darin nur partiell vor.
....... und die "Vertreter und Architekten" unseres Schulsystem wundern sich, wieso wir im Bildungsbereich im internationalen Vergleich so schlecht abschneiden. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass das an ihren angestaubten Vorgaben, die nicht wirklich im Leben benötigt werden, liegen könnte.

Um etwas verständlich rüber zu bringen, muss die Lehrkraft mindestens zwei Stufen, wie bereits gesagt, über dem stehen, was sie lehrt. Dann ist die Lehrkraft auch in der Lage das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Leider beträgt öfters der Abstand gerade eine halbe Stufe. Das liegt aber nicht unbedingt an den Lehrkräften, sondern an dem System, das den "Lehrenden" aufgedrückt wird. Häufig wird mangels Fachlehrkräften einfach ein fachfremder Lehrer eingesetzt. Bayern spielt da eine besondere Rolle.

Aussage einer Realschule-Rektorin über einen ihrer Mathematik-Lehrer: "Ich weiß, er bringt den Stoff etwas sehr formal rüber. Er wird es schon noch lernen". --- D. h. im Klartext, das Übungsfeld für den Mathematik-Lehrer sind die Schüler. Welche Probleme den Schülern damit aufgebürdet und damit evtl. in die falsche Berufslaufbahn gelenkt werden können, interessiert nicht.

Die Autorität des Lehrer schadet oft denen, die lernen wollen.
(Marc Tillius Cicero)

Nicht nur meutern

Es gibt viele Entscheidungsträger, die immer wissen, dass etwas nicht funktioniert, aber selten wissen, was man tun muss, dass es funktioniert - und erst recht nicht einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung leisten können bzw. wollen. Anders ausgedrückt, Kritiker und Meuterer gibt es zu Hauf, aber nur wenige Personen, die gewohnt sind, die Themen anzupacken und auch Lösungen zu erarbeiten bzw. anzubieten.

Aus diesem Grunde habe ich mehrmals versucht, speziell in den letzten Jahren, auf das Kultusministerium zuzugehen, um aktiv etwas einzubringen, also nicht nur zu lästern. D. h. Denkanstöße zu liefern, was die Jugendlichen wirklich brauchen könnten, um in der späteren Arbeitswelt leichter bestehen zu können und diese Welt ihnen dann auch Spaß und Freude bereitet.

Meine Anstöße nahm der persönliche Referent des damaligen Staatssekretärs mit Interesse auf und informierte per Email auch seine Abteilungsleiter. Allerdings, immer dann, wenn die Abteilungsleiter feststellten, dass ich nicht zu dem Dunstkreis des KM's oder zu dem Lehrkörper einer Schule gehörte, wurde schlagartig blockiert. - Es kann doch nicht angehen, dass einer von außen kommt und vielleicht noch praxisbezogene Vorschläge einbringt, also Vorschläge, die der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Industrie und dem auch noch Schüler nützen könnten. So etwas kann im Bayerischen Schulsystem nicht gebraucht werden. - Nur ein Schelm würde hier an das Wort "Inzucht" denken.

Qualitätssicherung in der Schule, ein Beispiel hierzu:

Bei einem Elternabend, irgendwann um 2004, wurden wir stolz darüber informiert, das nun Qualitätssicherung in der Schule eingeführt wird. Die Lehrkraft wusste allerdings nichts genaueres darüber. Ein paar Tage später bekam ich den Bildungsnewsletter vom KM per Email. Darin wurde auch die Qualitätssicherung angekündigt. Nur die vagen Andeutungen in dem Email zeigten, dass die Mitarbeiter des KM's hier noch sehr am Anfang standen.

Nach dem Motto "nicht nur meutern, sondern etwas beitragen" rief ich den zuständigen Abteilungsleiter, lt. Email, an, um ihm einige "Inputs", verbunden mit meinen Erfahrungen auf dem sehr komplexen Sektor Qualitätsmanagement, anzubieten. Um das Jahr 2000 hatten wir in der Firma das Qualitätsmanagement für Dienstleistungen komplett überarbeitet.

Die kurz gefassten Inputs bezogen sich auf Methoden der Qualitätssicherung, statische sowie dynamische Qualitätskontrolle, Eigen- sowie Fremdüberwachung, Definition des organisatorischen und technischen Ablaufs, ISO-Norm, Dokumentation, Messmethoden zum Soll-Ist-Vergleich (Monitoring), Vergleiche mit ähnlichen Lehrbetrieben, Möglichkeiten zum Nachsteuern - was tun, wenn etwas aus dem Ruder läuft usw.

Der Abteilungsleiter nahm am Anfang meine Stichpunkte erfreut auf. Allerdings wurde ihm während des Gespräches immer klarer, dass ich ein Externer bin und damit verschwand sein Interesse zusehends. - Und bei mir verstärkte sich zum wiederholten Male der Eindruck, dass das KM eine abgekapselte Einrichtung innerhalb unserer Gesellschaft ist, die man möglichst nicht stören sollte. Irgendwann habe ich das auch verstanden. Es hat aber einige Zeit gedauert.

Eine Anekdote im Zusammenhang mit dem Kultusministerium und meiner bayerisch angehauchten Sprache.

Mitarbeiterin im KM, zuständig für Mathematik, Fr. Dr. Sowieso:

Es ging um das Thema, dass einerseits die Kurvenzüchterei (Graphen gebrochen-rationaler Funktionen, Anwendungen der ersten Ableitung) bis zum Exzess betrieben wird, die der Kurvenzüchterei normale Schüler zu 99,9% in seiner späteren Arbeitswelt in diesem Ausmaß nie benötigen wird. Andererseits wird wenig gesundes Empfinden für Dimensionen im Alltag vermittelt, dass z. B. für einen 20 Kg Bananen-Transport kein LKW benötigt wird, 1000 Liter Heizöl nicht nur 50 € kosten können, 50 Tonnen Nägel für einen einzigen Bundeswehrstandort etwas zu viel sind, was 20 qm Fläche im Alltag bedeuten und man im Supermarkt in der Lage sein sollte, abzuschätzen, was für die Waren im eigenen Einkaufskorb an der Kasse zu bezahlen ist. D. h. Kopfrechnen für viele inzwischen etwas wie aus einer fremden Welt ist.

Fr. Dr. Sowieso war der Sprache nach aus den Norddeutschen Landen. Im Gespräch rutschte mir tatsächlich das Wort "Euch" heraus. Daraufhin schnauzte mich Fr. Dr. Sowieso mit den Worten an. „Was erlauben sie sich, ich habe ihnen nicht das Du angeboten“. Allein die Reaktion zeigt, dass sich Personen, die in Ihrem Metier unsicher sind, sich dann an Nebensächlichkeiten aufhängen oder mit einem rüden Ton antworten, um von den eigentlichen Problemen abzulenken, denen sie nicht gewachsen sind.

"Eure Durchlaucht" oder etwas Nachhilfeunterricht für Fr. Dr. Sowieso
was "Euch" in Bayern bedeutet, bezogen auf den Kontext des obigen Gespräches.:

Früher hatte man den Hochadel in der Dritten Person mit "Euch" bis zum 19. Jahrhundert angesprochen. Heute spricht man einen Personenkreis, wie eine Firma, einen Verein, eine Behörde oder Gesellschaft etwas salopp an, ohne sich auf eine bestimmte Person und auch nicht direkt auf den Gesprächspartner zu beziehen. Im Nachhinein bin ich mir nun nicht sicher, ob nun Fr. Dr. Sowieso zum Hochadel gehört, dann hätte ich sie selbstverständlich mit "Eure Durchlaucht" ansprechen müssen. Die andere Möglichkeit wäre, Fr. Dr. Sowieso ist das Kultusministerium in Gänze, dann hätte ich mit allerdings "Euch" erlauben dürfen.

Nun ist Fr. Dr. Sowieso nicht das Kultusministerium in Gänze, so habe ich das Kultusministerium geduzt und wäre erlaubt gewesen. Nur, wen habe ich damit nun geduzt - vielleicht Herrn Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle? - Und das hätte nicht der Form entsprochen. Etwas schade, ich hatte damals nicht die Möglichkeit Herrn Dr. Ludwig Spaenle danach zu fragen. Im Nachhinein betrachtet, habe ich mir einen ganz schönen Faux Pa geleistet.

Später habe ich dann mit ihrem Vorgesetzten, auch einem Münchner, unter anderem, darüber gesprochen. Dieser hat sich königlich amüsiert. Ein Beweis dafür, dass es auch andere Mitarbeiter im Kultusministerium gibt. Allerdings scheinen diese etwas rarer zu sein.

Während meines 9jährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern.
(Bertolt Brecht (1898-1956), dt. Dramatiker u. Dichter)

Es gibt da leider noch ein Problem. Junge Leute, die das Schulsystem - eventuell inkl. eines Studiums - überstanden haben, tragen unweigerlich die Färbung der Lehrbeauftragten in sich und geben diese völlig unbewusst an ihre Umgebung weiter. langweiligDas ist durchaus natürlich und auch nicht unbedingt falsch, besonders wenn Liebe, Verständnis und ein gesunder Menschenverstand dabei sind.

Nur bei einer Lehrerausbildung ist das "völlig Natürliche" etwas problematischer. Die teilweise antrainierte Inflexibilität und die weltfremden Ansichten unserer Bildungspolitiker, die die Lehrer zu vertreten haben, haben hier wesentlich mehr gravierendere Auswirkungen auf unser höchstes Gut. Das höchste Gut, was unsere Gesellschaft hat, das sind unsere Kinder und unsere Jugendlichen bis ins junge Erwachsenenalter.
... nur wie soll, ein in sich geschlossener, von der Außenwelt weitgehend abgeschotteter Kreis, das verstehen und dann noch richtig vermitteln können?

Ein weiteres Beispiel für einen abgeschlossenen Kreis:

In meinen Sturm- und Drangjahren hatte ich eine Freundin, deren Mutter Lehrerin war und seit Jahren die 1. und 2. Grundschulklasse unterrichtete. Bei der guten Frau hatte ich immer den Eindruck, egal, wen sie vor sich hatte, Jung oder Alt, sie spricht mit Sechs- oder Siebenjährigen. Dementsprechend hatte sie oft mit Erwachsenen diverse Schwierigkeiten, die ihre Wortwahl, gepaart mit einem unterschwelligen Befehlston - gewohnt durch den Umgang mit den Kindern - nicht ertrugen.

nur ein paar Lösungsansätze

  • Die Lehrer sollten zyklisch alle Grundschulklassen unterrichten müssen.
  • Jeder Lehrer, egal in welcher Altersstufe, sollte mindestens alle 5 Jahre für ein Jahr außerhalb der Lehrumgebung tätig werden.
  • Entscheidungsträger im KM müssten bezüglich des Unterrichtstoffes fundierte Erfahrungen aus der Wirtschaft und Industrie vorweisen. Meinen Erfahrungen nach kommt ein Großteil aus der Lehrerschaft. Wie sollen da wesentlich neue Ideen reinkommen?
  • Mehr Handwerks- und Wirtschaftsvertreter ins KM einladen
  • ... und auch Jugendliche einladen und deren Sorgen und Nöte nicht nur anhören, sondern auch Maßnahmen davon ableiten.
Der deutsche Bundestag ist mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer.
(Otto Graf Lambsdorff, dt. Politiker, FDP)

Literarische Prosa - kontra Gebrauchsprosa

Literarische Prosa: Hier stehen die poetische Sprache im Vordergrund, wie in Horror- und Kurzgeschichten, Krimis, Märchen, Novellen, Romane, Satiren usw. – Sie dient vorwiegend zur Unterhaltung

Gebrauchsprosa: Sie gibt technische Produktbeschreibungen und Abläufe wie Arbeitsberichte, Berichtshefteinträge, sowie Gebrauchsanleitungen wieder, also alle Sachtexte die zur Information und wenig zur Unterhaltung dienen.

In meiner Abteilung (IT-Sektor) hatte ich immer wieder u. a. auch Schüler von Abschlussklassen, die ein 14 tägiges Schnupperpraktikum und Studenten, die ein Praktikumssemester belegten. Jeder Praktikumsteilnehmer musste am Ende einen mehr oder weniger detaillierten Bericht, abhängig von der Zeitdauer seines Praktikums, schreiben. Diese Berichte sollten sachlich formuliert und einen gewissen Ansatz einer wissenschaftlichen Textstruktur haben.

85 % der Praktikumsberichte hatten eines gemeinsam. Sie entsprachen mehr dem literarischen Prosa-Stil - und waren damit unbrauchbar. Alle Praktikanten und auch diverse Schuldirektoren bestätigten mir, dass "Gebrauchsprosa", also alles was Informationsberichte anbelangt, nicht im Lehrplan vorgesehen ist. Manche Praktikanten waren dann ganz schön sauer, wenn sie ihren Bericht nochmals überarbeiten mussten.

Daraufhin habe ich mich an das Kultusministerium gewandt und sinngemäß folgende Auskunft bekommen: "Dazu ist der Betrieb da, wenn von dem Mitarbeiter so etwas gefordert werden sollte. Studenten lernen das dann in der Uni".

Auf meinen Einwand, dass die Wirtschaft und Industrie das anders sieht und die Professoren bringen den Studenten das auch nicht bei, kam die Antwort: "Das ist nicht unsere Aufgabe und nicht unser Problem". ....  Einige Studenten, die ihre Diplom- bzw. Bachelorarbeiten bei uns in der Abteilung schrieben, mussten wir öfters erinnern, dass ihr angehauchter literarischer Prosa-Schreibstil hier fehl am Platz ist. --- Also, wo wird Gebrauchsprosa nun gelernt?

Das war 2007. Heute steht im Lehrplan für 10 Jahrgangsstufe: Sachtexte analysieren - Aber Sachtexte, also den Ablauf von Fakten oder eines Sachverhaltes in Schriftform wiederzugeben, fehlt nach wie vor. - Wahrscheinlich dauert es noch ein paar Jahre bis aus dem Halbes etwas Ganzes wird.

Handwerk:

Im März 2017 gab ich in einer Schreinerei einen Auftrag ab. Dabei unterhielt ich mit dem Chef über das, was der Auszubildende von der Schule mitbringt, besser gesagt nicht mitbringt.

Nur ein paar Stichpunkte seitens des Chefs:

  • Schwächen in Kopfrechnen (Anmerkung Obb: In einer Schreinerei muss man einfach 2 oder 3 Zahlen zusammenzählen können, um passgenau anfertigen zu können)
  • zu viele Rechtschreibfehler und
  • oft wenig Sachliches in den Berichtsheften.

- Um Missverständnissen vorzubeugen hier war nicht die Rede von Migranten.

Der Alltag:

Vor einigen Wochen war ich der Kasse eine Supermarktes. Eine junge, vermutlich deutsche Frau, saß hinter der Kasse. Das Kassendisplay zeigte für meinen Einkauf 24,73 € an. Ich legte 25 € in Scheinen und 23 Cent in Münzen hin. Die Kassendame: "Was soll ich damit - ich kann damit nichts anfangen". Ich gab ihr den Rat, den Betrag einfach einzutippen. Sie tippte daraufhin die 25,23 € in die Kasse ein und das Display zeigte den rauszugebenden Betrag an. Ansonsten wäre die Kassiererin hoffnungslos verloren gewesen.

Nach meinen Erfahrungen kommt das davon, dass man Kopfrechnen in der Schule sehr frühzeitig durch den Taschenrechner ersetzt. - Weiter so liebes Kultusministerium. Es müsste eigentlich bekannt sein, wenn man etwas nur kurz übt und wenig bewegt, rostet das sehr schnell ein. Die Roststellen zeigen sich inzwischen an vielen Stellen, auch im KM.

Viele Gedichte von Hölderlin kann ich auswendig:

Vor kurzem hatte ich eine kleine Wohnung zur Vermietung angeboten. Eine sehr nette junge  Frau Dr. Marianne Musterfrau hatte bei der Besichtigung der Wohnung einen Packen Unterlagen mitgebracht. In den Unterlagen war u. a. ihr gesamter Lebenslauf und einige Versicherungsverträge, wie KFZ, Haftpflicht und auch eine Rechtschutzversicherung dabei.
Bei einem späteren Telefonat, das sehr harmonisch verlief, habe ich sie darauf aufmerksam gemacht, dass es speziell bei diesen Bewerbungsunterlagen besser sei, die Rechtschutzversicherung wegzulassen. Es wird dadurch indirekt vermittelt: „Achtung Vermieter, mit mir musst du vorsichtig umgehen, denn sonst kommt mein Anwalt“.
Ihre Antwort darauf: "Solche wesentlichen Themen für das alltägliche Leben hat mir in meiner gesamten Ausbildungszeit keiner vermittelt. Dafür kann ich aber teilweise den Hölderlin auswendig".

Irgendwann, in ferner Zukunft, wird es auch bei unseren Bildungpolitiker ankommen, den Artikel 1 im BayEUG: "Bildungs- und Erziehungsauftrag" auch leben zu müssen. Inwieweit dies noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch geschehen wird - da habe ich meine Zweifel.   (Oberbauer)